Gaming war lange etwas, das Unternehmen aus sicherer Entfernung betrachtet haben. Ein Freizeitding. Ein Jugendding. Interessant vielleicht fürs Marketing, aber weit weg von dem, womit sich große Konzerne normalerweise beschäftigen: Strategie, Prozesse, Fachkräfte, Innovation, Kultur. Dieses Bild bröckelt. 83 % aller Internetnutzerinnen und -nutzer weltweit spielen Videospiele. In Deutschland greift laut der Bitkom-Studie „Gaming Deutschland 2025" über die Hälfte der Bevölkerung regelmäßig zum Controller oder Smartphone – das sind über 29 Millionen Menschen. Besonders aufschlussreich für die Recruiting-Praxis: 87 % der 16- bis 29-Jährigen zocken regelmäßig. Gaming ist kein Nischenkanal mehr. Es ist ein Kulturraum, in dem Menschen Zeit verbringen, Communities aufbauen, Marken erleben und Zugehörigkeit entwickeln. Warum Unternehmen Gaming deshalb nicht mehr als Nischenthema abtun sollten, haben wir in unserem Artikel „Gaming ist keine Nische" genauer eingeordnet. Und dann sieht man BASF. BASF Gaming: Ein Chemiekonzern betritt den Spielraum BASF – weltweit bekannt, komplex, traditionsreich. Ein Unternehmen mit Themen, die nicht gerade nach leichter Unterhaltung klingen: Forschung, Produktion, Nachhaltigkeit, Sicherheit, internationale Teams. Inhalte, die man in langen Broschüren erklären könnte. In Tabellen. Oder in Karrierevideos, in denen Menschen freundlich in helle Büros lächeln. BASF geht einen anderen Weg. Auf der BASF-Gaming-Seite bündelt das Unternehmen seine Gaming-Aktivitäten und verweist auf Kanäle wie Discord, Twitch und Instagram. Auf dem Discord-Server tauschen sich Azubis, Bewerberinnen und Bewerber direkt mit BASF-Mitarbeitenden aus – ohne Bewerbungsformular, ohne offiziellen Prozess, einfach im Gespräch. Der Twitch-Kanal zeigt Gaming-Sessions, bei denen BASF-Mitarbeitende spielen und dabei über ihren Arbeitsalltag reden. Auf Instagram entstehen Einblicke, die keine Hochglanzbroschüre liefern kann: spontan, authentisch, nah. „Wir sind bereit, Menschen dort zu begegnen, wo sie sich wirklich aufhalten." Das ist mehr als ein moderner Marketingauftritt. Es ist eine strategische Entscheidung: Wer Fachkräfte von morgen erreichen will, muss dort präsent sein, wo diese Menschen ihre Zeit verbringen. Warum klassische Unternehmenskommunikation allein nicht mehr reicht Viele Unternehmen stehen vor demselben Problem: Sie haben viel zu erzählen, aber immer weniger Menschen haben Lust, sich durch klassische Unternehmenskommunikation zu arbeiten. Karriereseiten erklären. Imagefilme zeigen. Broschüren ordnen. Alles hat seinen Platz – und trotzdem bleibt oft eine Distanz. Man sieht ein Unternehmen, aber man erlebt es nicht. Besonders bei großen Konzernen wird diese Distanz schnell spürbar. Je komplexer ein Unternehmen ist, desto schwerer wird es, ein klares Gefühl dafür zu bekommen: Was passiert dort eigentlich? Wer arbeitet da? Passt das zu mir? Gaming kann genau an dieser Stelle eine Brücke bauen. Nicht weil es alles vereinfacht, sondern weil es Komplexität anders zugänglich macht. In einer gamingnahen Umgebung muss man nicht alles auf einmal verstehen. Man bewegt sich rein, entdeckt, reagiert, bekommt ein Gefühl für Zusammenhänge – bevor man sie vollständig erklären könnte. Corporate Games: Komplexe Inhalte erlebbar machen Gaming hilft nicht nur dabei, Zugang zu schaffen – es macht komplexe Inhalte erlebbar, ohne sie noch ausführlicher zu erklären. BASF ist dafür ein gutes Beispiel: Nachhaltigkeit, Forschung, Produktion, Ausbildung, Digitalisierung, Sicherheit, internationale Zusammenarbeit – all das sind Themen, die schnell ganze Seiten füllen könnten. Ein Corporate Game oder ein gamingnahes Format kann daraus einen konkreten Ausschnitt machen: eine Aufgabe, einen Konflikt, eine Entscheidung, einen Zusammenhang. Statt zehn Absätzen über eine Rolle gibt es eine spielbare Situation. Statt eines Organigramms gibt es einen Prozess, den man selbst durchläuft. Statt Werten auf einem Poster gibt es Entscheidungen, die man im Spiel treffen muss. Corporate Games übersetzen Komplexität nicht in weniger Inhalt – sondern in bessere Erfahrung. In seinem Buch Press Play greift Bastian Bergmann viele weitere erfolgreiche Praxisbeispiele auf und zeigt, wie Unternehmen Spielmechaniken nutzen, um Menschen anders zu erreichen – als Quelle für die eigene Argumentation gegenüber Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern durchaus empfehlenswert. Was das BASF-Beispiel für andere Unternehmen bedeutet Wenn ein Unternehmen wie BASF auf Gaming setzt, ist das ein Signal: Gaming ist nicht nur für Marken relevant, die ohnehin nah an Popkultur oder Entertainment stehen. Auch große, komplexe Konzerne können damit neue Zugänge zu Karriere, Kultur und Austausch schaffen. Für HR- und Kommunikationsverantwortliche ist genau das wertvoll. Menschen entscheiden sich selten nur aufgrund einer Faktenliste für ein Unternehmen. Sie entscheiden sich aufgrund eines Gefühls: Wirkt das nahbar? Verstehe ich, wofür die stehen? Kann ich mir vorstellen, dort Teil von etwas zu sein? Gaming kann dieses Gefühl früher auslösen als viele klassische Formate – und das zu einem Zeitpunkt im Candidate Journey, an dem noch keine einzige Bewerbung geschrieben wurde. Fazit: Wer gesehen werden will, muss erlebbar werden BASF zeigt, dass Gaming in moderner Unternehmenskommunikation angekommen ist. Nicht als Ersatz für Karriereseiten, Gespräche, Veranstaltungen oder persönliche Begegnungen. Sondern als zusätzlicher Raum, in dem Menschen ein Unternehmen anders kennenlernen können: näher, interaktiver, erlebbarer. Gaming macht Unternehmen nicht automatisch moderner. Aber es kann helfen, moderner zu kommunizieren – komplexe Themen greifbarer machen, Berührungsängste senken und aus abstrakten Botschaften konkrete Erfahrungen schaffen. Vielleicht ist das die eigentliche Lehre aus dem Beispiel BASF: Auch erfolgreiche Unternehmen dürfen spielen, wenn sie ernsthaft verstanden werden wollen. Denn ein Spiel ist nicht das Gegenteil von Seriosität. Es kann der Weg dorthin sein. Du hast ein Thema, das nicht nur erklärt, sondern erlebt werden soll? In einer kostenlosen 45-minütigen Discovery Session besprechen wir konkret: Welche Geschichte steckt in deinem Unternehmen? Welche Spielmechanik passt zu deiner Zielgruppe? Und wie wird aus komplexen Inhalten ein Erlebnis, das hängen bleibt – ohne Pitch, direkt auf den Punkt. Jetzt Discovery Session buchen